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Archiv

Unten finden Sie die unser Programm-Archiv bis zurück ins Jahr 2008. Die älteren Programme (2000 bis 2007) finden Sie im Design ihrer Zeit via die folgenden Links.

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

Spielzeiten
Fr 30.05.14 20:00 - 22:30 Keller 62
Sa 31.05.14 20:00 - 22:30 Keller 62
Details
Michel Tremblay: Hosanna Literatur
Tickets/Reservation
www.keller62.ch
Hosanna, mit bürgerlichem Namen Claude, ist tagsüber Friseur, abends eine der scharfzüngigsten Drag Queens im Montréal der frühen 70er. Sein Freund Raymond, genannt Cuirette, gehört zur schwulen Motorradfahrerszene, sein Spitzname leitet sich von seinem Markenzeichen, seiner legendären Lederjacke ab.

Wir lernen die beiden in der kleinen Einzimmerwohnung kennen, in der sie seit einigen Jahren zusammen leben, in den frühen Morgenstunden zwischen Freitag und Samstag. Auf der Halloweenparty, von der sie (getrennt) kommen, muss irgendwas fürchterlich schiefgegangen sein. Zunächst versuchen die beiden, nicht über die Ereignisse des Abends zu sprechen oder sie mit Humor zu nehmen, aber mit Zunehmen der beiderseitigen Gereiztheit kommen gleich auch noch einige andere Themen aufs Tapet: Die Einrichtung der Wohnung, die Verteilung der Geschlechterrollen in ihrer Beziehung, das Älterwerden... Zu allem Überfluss ruft auch Sandra noch dauernd an, die Hosanna auf der Party einen üblen Streich gespielt hat - in den Cuirette wohlgemerkt eingeweiht war. Erst im Laufe des Stücks erfährt das Publikum stückweise, was denn eigentlich passiert ist und Hosanna so verletzt hat.

Michel Tremblay (Jahrgang 1942) gilt als einer der wichtigsten und meistgelesenen frankokanadischen Autoren der Nachkriegszeit. Seine kanadischen Landsleute lieben ihn nicht zuletzt dafür, dass er nach und nach zum Chronisten von Montréal geworden ist. Nicht alltäglich ist bei Tremblay auch heute noch, dass ein Schriftsteller, der von vielen auch als eine Art Nationalautor wahrgenommen wird, gleichzeitig offen schwul lebt und auch Romane und Stücke mit schwuler und verwandter Thematik schreibt. Sucht man einen gemeinsamen Nenner für Personen und Inhalte, so findet man ihn sicher in Tremblays feinem Gespür für die Befindlichkeiten von Minderheiten, seien es die größtenteils der Unterschicht angehörenden Franko-Montréaler in ihrem schwierigen Verhältnis zu den englischsprachigen Landsleuten, seien es Schwule, Transvestiten oder z.B. die Kleinwüchsige Céline aus der Romantrilogie Les cahiers de Céline (2003-2005). Doch Tremblay schreibt keine wehleidige oder anklägerische Betroffenenliteratur, sondern interessiert sich fürs Individuum und zeigt bei seinen Protagonistinnen und Protagonisten stets ein differenziertes Bild des Innenlebens.

Im deutschen Sprachraum ist Tremblay noch sehr wenig bekannt; sein einziges unseres Wissens auf Deutsch übersetztes Buch ist (unter dem Titel «Der Mann in Papis Bett») Le coeur éclaté von 1986. Nicht zuletzt hoffen wir auch diesem Umstand mit unserem Projekt, dem unsere eigene Übersetzung zu Grunde liegt, ein wenig abhelfen zu können.

Wir zeigen das ganze Stück, nicht ganz gespielt, aber mit vollem Einsatz!

Es spielen Julius Griesenburg und Samuel Zinsli
Regie: Hannes Rudolph

Eine Produktion der Dr.-Karl-Landsteiner-Jubiläums-Kammerspiele
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