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Archiv

Unten finden Sie die unser Programm-Archiv bis zurück ins Jahr 2008. Die älteren Programme (2000 bis 2007) finden Sie im Design ihrer Zeit via die folgenden Links.

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Spielzeiten
Do 22.05.08 17:00
Vernissage
WELTI modern art
Details
Sonja SEKULA - Helen DAHM Ausstellung
Sonja Sekula in der Wohnung André Bretons in New York, Sommer 1945. Archiv Roger Perret, Zürich

HAUPTAUSSTELLUNG: Sonja Sekula – Poesie in Farbe

Sonja Sekula wird am 8. April 1918 in Luzern geboren als Tochter von Béla Sekula, einem ungarischen Briefmarkenhändler, und von Bertie Sekula-Huguenin, welche aus der luzernischen Café- und Confiserie-Dynastie entstammt. Sonja Sekula wächst in Luzern in einem grossbürgerlichen Umfeld auf.

1934 lernt sie die Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach kennen und verliebt sich in sie. Kontakt mit Klaus Mann. 1936 lässt sich die Familie in den USA nieder. Sonja nimmt Malstunden in der Privatschule des befreundeten Malers George Grosz. Ab 1941 beginnt eine intensive künstlerische und schriftstellerische Tätigkeit.

Ihre Werke werden in den renommierten amerikanischen Galerien von Peggy Guggenheim und Betty Parsons ausgestellt. Sie bewegt sich im Zentrum der New Yorker Avantgarde und ist befreundet mit André Breton, Joseph Cornell, Robert Motherwell, Frieda Kahlo, Alice Rahon Paalen und John Cage, mit dem sie von 1947 bis 1951 im gleichen Haus in New York lebt.

1951 verschlechtert sich ihr gesundheitlicher Zustand drastisch und macht Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken notwendig. 1955 kehrt sie mit ihren Eltern in die Schweiz zurück und macht neue Kontakte und Freundschaften, wie zum Beispiel mit Max Bolliger, Oscar Dalvit, Roland Gretler oder der späteren Künstlerin Manon.

Nach Jahren der Isolation zeigt sie 1957 erstmals in Zürich ihre Zeichnungen und Bilder, doch ihre «amerikanisch» wirkenden Werke finden nur wenig Zuspruch. Von Krankheit und Misserfolgen gezeichnet, erhängt sie sich 1963 im Atelier.

Erst vor kurzem wurde ihr Werk im Aargauer Kunsthaus zusammen mit dem von Annemarie von Matt gewürdigt; dabei erschien die Publikation „Dunkelschwestern – Annemarie von Matt – Sonja Sekula“.

Ihr Werk fusst auf dem surrealistischen Automatismus; in den 50er Jahren vermehrt Tuschfederzeichnungen, welche mit Deckfarbe überarbeitet werden. Auch poetische oder tagebuchartige Texte werden integriert. Bedeutend sind die „Scratchboards“ (in schwarze oder farbige Tuschgründe eingekratzte Zeichnungen).

IM KABINETT (Nebenausstellung): Helen Dahm – Die Zeit der Befreiung

Der Entschluss einer jungen Frau sich als Künstlerin ausbilden zu lassen war um 1900 ganz und gar nicht selbstverständlich. Für Frauen war dazumal das Kunsthandwerk vorbehalten oder es war das Privileg von Damen aus der besseren Gesellschaft, sich neben Literatur und Musik auch in der Malerei etwas umzutun. So war ihre Studienzeit in München ein tägliches Ringen um Anerkennung, um die Kunst und ums Überleben.

Die Begegnung mit dem deutschen Expressionismus, vor allem der Gruppe des „Blauen Reiters“ vermittelte ihr das Verständnis für Authentizität und existentiellem Gehalt. Die Begegnung mit dieser künstlerischen Haltung, ihrem Anspruch auf Echtheit von Gefühl und Ausdruck setzten in Helen Dahm das künstlerische Potential frei; das Ausdrucksstarke und Leidenschaftliche wurde von nun an zu ihrer Domäne, in welcher sie die ihr eigenen Möglichkeiten zur Bewältigung existentieller Fragen fand.

Diese Zeit, ihre Freundschaft mit Else Strantz, wie auch ihre schwersten Erlebnisse in der frühen Kindheit haben Helen Dahm geprägt und ihr ganzes Leben bestimmt.
So steht in einem der vielen Publikationen über Helen Dahm: „Der frühkindliche Konflikt mit dem Vater löste in ihr Schuldgefühle aus, die wie ein roter Faden ihr Leben durchzogen. Wie hat sie sich fast neunzig Jahre lang als unschuldiges und doch schuldiges Opfer gefühlt! Oft erlebte sie Vergebung, doch immer wieder brach das alte Geschwür auf und steigerte die ewige Spannung zwischen Mann und Frau unerträglich. Nicht umsonst musste sie dann malen und sich ausleben in den stärksten Farbkontrasten bis zur Erschöpfung.“

Sie selber schrieb im Jahre 1954 einmal: „Künstler sein heisst nicht allein Talent haben, Künstler sein heisst aushalten, durchhalten, in einsamen Raum gestellt sein und die Angst, die Stille, die Zweifel ertragen. In meinem Leben bin ich an Abgründen vorbei gegangen; es ist Gnade, dass ich nicht versunken bin, und Gnade, wenn ich in meinen Bildern etwas Bleibendes geben konnte.“

Ihr Suchen galt aber nicht nur allein dem künstlerischen Ausdruck sondern dem Menschen als ganzes. So entschloss sie sich als 60 Jährige alles in Europa aufzugeben, um in Indien im Frauen-Ashram von Shri Meher Baba sich dem Geistigen voll und ganz zu widmen. Nach ihrer unvorhergesehenen Rückkehr und zutiefst enttäuscht beschäftigte sie sich aufs neue mit unserer christlichen Kultur und Mystik. Neben religiösen Bildern wurden die Erlebnisse in Indien in zartfarbigen, eindrücklichen Bildern aufgearbeitet - Menschen, Städte, Landschaften und Tierbilder, in welchen die Auseinandersetzung mit dem Fremden und Geheimnisvollen aufgenommen wurden. Eine künstlerische Weiterentwicklung brachte in den folgenden Jahren vor allem der Umgang mit experimentellen Techniken, teils selbst erfundenen oder abgewandelten Verfahren mit Monotypien und Mischtechniken auf Stoff, Papier, Holz, Glas, Metall und Cellophan. Diese Experimente führten zu einer zunehmenden Entstofflichung und Vergeistigung des Gegenstandes und lesen sich im Nachhinein wie Vorstufen zu der verinnerlichten Welt der abstrakten Phase der kommenden fünfziger und sechziger Jahre.

Helen Dahm ist kompromisslos ihren Weg gegangen. Künstlerisch von den figürlichen Arbeiten bis hin zu den tachistischen Werken.

In der Kabinettausstellung sind nur frühe Zeichnungen und Graphiken präsentiert. Frühe graphische Arbeiten, in welchen Helen Dahm ihre sexuelle Befreiung – ihr Frau sein thematisiert, sind seit langem wieder erstmalig in Zürich zu sehen.

Vernissage: Donnerstag, den 22. Mai 2008, 17:00 – 20:00 h
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14.00 – 18.00 h
Samstag 11.00 – 16.00 h und täglich nach Vereinbarung
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